Umweltseminar des Hessischen Landesverbandes Motorbootsport 2012

 

 

Am zweiten Januarwochenende veranstaltete der Hessische Landesverband Motorbootsport sein Umweltseminar, vorbereitet, durchgeführt und moderiert durch den Umweltbeauftragten des HELM, Herrn Dr. Arno Grau. 37 Teilnehmer aus 16 HELM - Mitgliedsvereinen fanden den Weg nach Wiesbaden. In seiner Begrüßung wies er die Umweltbeauftragten der Vereine auf die „Individuelle Blaue Flagge“ hin. Sie ist das Symbol des umweltgerechten Fahrens auf dem Wasser. Mitglieder aus 13 hessischen Vereinen haben die „Individuelle Blaue Flagge“ im Jahre 2011 beantragt. Hierbei sind Regeln für den Umgang mit dem Boot zu beachten und einzuhalten. So sind unter anderem Naturschutzgebiete und andere sensible Bereiche, wie Naturparks, Vogelschutzgebiete oder Fischruhezonen zu respektieren und die dort geltenden Regeln zu beachten. In Röhrichtbestände, Schilfgürtel und andere dicht bewachsene Uferpartien darf nicht eingefahren werden, sondern es ist ein ausreichender Abstand einzuhalten. Auch in ausgewiesenen „Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung“ ist besonders rücksichtsvoll zu fahren, um etwa vorhandene Lebensstätten von Tieren und Pflanzen nicht zu schädigen. Die „Individuelle Blaue Flagge“ für Sportbooteigner ist bei Einhaltung der Verpflichtungserklärung zeitlich unbegrenzt gültig und kann bei Dr. Arno Grau beantragt werden.

Auch in diesem Jahr konnte Dr. Grau wieder hochkarätige Referenten zu interessanten Themen gewinnen. Er konnte unter den Anwesenden auch den Präsidenten des Hessischen Landesverbandes, Michael Wagner, begrüßen. Dieser berichtete über Wissenswertes aus dem Deutschen Motoryachtverband (DMYV) und dem Hessischen Landesverband Motorbootsport (HELM) und bezog sich dabei vor allem auf den Bereich des Umweltschutzes. So sprach er über die Themen: Vorschriften zu Unterwasseranstrichen auf EU-Ebene, geplante Einleitungsverbote und den Stand der Aktivitäten bei der Umsetzung der WRRL. Auch die geplante Reform der WSV könnte Auswirkungen auf die Umwelt haben, da die bestehenden Einleitungsgenehmigungen für Klärwerke in renaturierten Flüssen ihre Gültigkeit verlieren könnten. Eine Reihe von Flüssen und Flussabschnitten in Hessen sind von den Planungen betroffen. Der HELM ist zurzeit auch damit beschäftigt, Wasserwanderplätze am Main zu schaffen. Hier muss noch viel Überzeugungsarbeit bei den verschiedensten Stellen, wie u.a. dem Wasser- und Schifffahrtsamt und dem Planungsverband, geleistet werden.

 

Von Herrn Dr. Christoph Balin von der Fa. Torqeedo wurden aus erster Hand Informationen übermittelt zum Thema batteriebetriebene Außenbordmotoren. Die Firma Torqeedo produziert die effizientesten elektrischen Außenbordmotoren der Welt. Es gibt 13 Antriebe von 1 bis 15 PS und damit ist ein Anfang für die Elektromobilität auf dem Wasser gemacht. Der Trend zur Elektromobilität zu Lande und zu Wasser ist unübersehbar. Mit seiner integrierten Lithium-Batterie und seiner überragenden Effizienz ist der Travel die einzige Alternative zu einem kleinen Benzin-Außenborder. Er bietet den gleichen Nutzen und ein paar zusätzliche Vorteile. Er kann das, was ein 1,5 / 3 PS Benzin-Außenborder auch kann, ist aber umweltfreundlicher, leiser, leichter, komfortabler und vollständig wasserdicht. Der Elektroaußenborder hat einen Bord-Computer mit GPS basierter Berechnung der verbleibenden Reichweite. Die Lithium-Batterie kann mit einem Solarladegerät, auch während der Fahrt, aufgeladen werden. Bei den Leistungsangaben der Motoren setzt Torqeedo auf Transparenz. Die Leistung eines Antriebs bemisst sich zunächst danach, wie viel Leistung er tatsächlich zur Bewegung des Bootes zur Verfügung stellt. Diese Leistung wird als Nutzleistung oder Vortriebsleistung bezeichnet. Sie ergibt sich aus Kraft mal Geschwindigkeit und kann in Watt oder in PS angegeben werden.

 

 


Mit Hilfe einer Powerpräsentation berichtete Dr. Burkhard Watermann von der Fa. LimnoMar über die Unterwasserreinigung von Sportbooten. LimnoMar wurde im September 1991 von Dr. Burkhard Watermann als ein unabhängiges Labor für limnische / marine Forschung und vergleichbare Pathologie gegründet. Der Sitz des Labors ist Hamburg. Seit 2002 verfügt LimnoMar über eine eigene Bewuchsstation im Hafen von Norderney. An den Booten bilden sich bei längeren Liegezeiten Biofilme in verschiedenen Formen und diese können sehr hartnäckig sein, durch den hohen Kalkgehalt können diese Biofilme eine Kalkkruste bilden. Zur Entfernung wurden halbautomatische, stationäre Anlagen mit rotierenden Bürsten oder Wasserhochdruck errichtet. Die Installation ist sehr teuer und es gibt auch biologische Probleme - wohin mit dem Dreckwasser? Zurzeit gibt es Probebetriebe in Bremerhaven und in Frankreich. Verschiedene stationäre Systeme wurden in den letzten 20 Jahren entwickelt und sind gescheitert. Die Reinigung fördert die Bewuchsbildung. Bei einer Bewuchsbildung muss umgehend wieder gereinigt werden, da lang anhaftender Bewuchs sonst auf diese Weise nicht mehr entfernt werden kann. Ausgefeilte Reinigungstechniken gibt es bisher nur in der professionellen Schifffahrt. Antihaftbeschichtungen wirken nur durch Bewegung oder Anströmung. Zum Reinigen eignen sich mehrere Dinge, so zum Beispiel ein Hochdruckreiniger mit rotierenden Bürsten. Eine wirkliche Lösung für die Sportschifffahrt ist zurzeit noch nicht verfügbar.

 

 


Ein weiterer Punkt auf der Tagessordnung war die Vermeidung von Schimmelbildung an Bord. Das Referat sollte
Dr. André Peylo von der Fa. lavTOX halten, doch leider war er aus gesundheitlichen Gründen verhindert. Dr. Arno Grau übernahm diesen Part und ging auf die Materie ein. Algen und Schimmelpilze sind einfache Organismen, die sich bei ausreichender Feuchte auf allen organischen Materialien ansiedeln können. Die Feuchtebedingungen liegen oberhalb 70-80% Luftfeuchte. Die Fa. lavTOX bietet ein Produkt an, das sich zur Bekämpfung von Schimmel, Algen und Moosbildung eignet. Zugleich ist es auch vorbeugender Schutz. Zur Anwendung streicht man die Fläche ein und die Reinigung des Decks erfolgt durch die natürliche Bewitterung (UV-Bestrahlung und Regen), ohne Bewitterung gibt es keine sichtbare Veränderung.
 

 

Nach einer kurzen Mittagspause referierte der Vizepräsident des Landesverbandes Motorbootsport Baden-Württemberg, Herr Peter Haag, über das Thema „Strom an Bord“. Zuvor überbrachte er die Grüße vom Präsidium des LMBW, verbunden mit einer Einladung zur Sternfahrt Süd-West zum Motoryacht-Club Kurpfalz e.V. Mannheim vom 26.-28. Mai 2012. Ausgerichtet wird diese vom MCK Mannheim, dem DMYV und dem Landesverband Motorbootsport Baden-Württemberg. Peter Haag informierte mit einer gut strukturierten Powerpointpräsentation das Thema „Elektrische Systeme an Bord“ und erläuterte Arten von Batterien - Starterbatterien und Verbraucherbatterien -, Ladung von Batterien, Anlasser, Ladegeräte, Verkabelung an Bord, Starthilfe. Er wies dabei auf viele Fehlermöglichkeiten hin und zeigte Wege auf, diese zu finden und zu beseitigen. Die lebhaften Diskussionen zeigten das Interesse der Teilnehmer an diesem Thema.
Es war eine interessante Veranstaltung und die aus ganz Hessen und von benachbarten Vereinen aus Rheinland-Pfalz angereisten Umweltbeauftragten und Vorstände zogen abschließend ein positives Resümee.